Assistenzhund

„Das hat sie jetzt nicht wirklich gesagt, oder?“

Ein schöner Ausflug mit Team Lilly kippt jäh an der Restauranttür: Ein einziger unbedachter Satz reicht, um sich als Störfaktor zu fühlen statt als Gast.

„Das hat sie jetzt nicht wirklich gesagt, oder?“

Ein herrlicher Tag im Wald: Die Hunde schnüffeln ausgiebig im Unterholz, wir Menschen quatschen, lachen, machen ein paar schöne Fotos. Ein rundum gelungener Ausflug mit Team Lilly, der eigentlich perfekt in einem gemütlichen Restaurant ausklingen sollte.

Wir betreten das Lokal, warten am Eingang darauf, platziert zu werden, und freuen uns auf gutes Essen und kühle Getränke. Doch die Begrüssung der Restaurantleiterin holt uns schlagartig auf den Boden der Tatsachen zurück:

„Ja, ich muss schauen, wo ich Sie unterbringe, damit die anderen Gäste sich nicht von den Hunden gestört fühlen. Es sind zwar Assistenzhunde, aber trotzdem.“

In solchen Momenten friert die Zeit kurz ein. Man steht da, der Kopf rattert, aber die passende Erwiderung bleibt im Hals stecken. Vielleicht war es der niedrige Blutzucker, vielleicht die schiere Fassungslosigkeit über so viel Taktlosigkeit.

Warum habe ich nicht direkt den Mund aufgemacht?
Weil dieser Satz einfach sitzt. Und er hallt nach.

Ich weiss natürlich nicht, welche Erfahrungen das Lokal vielleicht in der Vergangenheit mit Hunden gemacht hat. Aber das ändert nichts daran, dass man Menschen mit einer Beeinträchtigung nicht vorverurteilen sollte. Vielleicht ist vielen auch einfach nicht bewusst, was ein Assistenzhund eigentlich leistet:

Diese Hunde durchlaufen eine intensive, mehrjährige Ausbildung. Sie lernen von klein auf, im Alltag so unauffällig wie möglich zu sein – fast wie ein Schatten. Sie machen sich im Grunde nur dann bemerkbar, wenn es ihrer Halterin oder ihrem Halter schlecht geht und sie eingreifen müssen.

Niemand von uns hat sich ausgesucht, auf einen Assistenzhund angewiesen zu sein.

Ich hätte auch lieber keinen – denn das würde bedeuten, dass ich keine Behinderung habe, die meinen Alltag bestimmt. Ein Assistenzhund ist kein Lifestyle-Accessoire, das man zum Spass ins Restaurant schleppt, sondern ein medizinisches Hilfsmittel auf vier Pfoten.

Natürlich nehmen wir Rücksicht. Wir wissen, dass es Menschen mit Tierhaarallergien oder Angst vor Hunden gibt. Wenn jemand Bedenken äussert, finden wir immer gemeinsam eine pragmatische Lösung – das ist für uns selbstverständlich.

Es geht um das Wie. Sprache schafft Realität. Wie anders hätte sich dieser Moment angefühlt, wenn der Satz gelautet hätte: „Ich suche Ihnen einen schönen Tisch aus, an dem Sie und Ihre Hunde möglichst viel Ruhe haben.“

Stattdessen bekamen wir sofort das Etikett des potenziellen Störfaktors verpasst. Man fühlt sich mit einem einzigen Satz unerwünscht, als Belastung für den Betrieb, als Problem, das man irgendwie „unterbringen“ muss.

Ich werde das Lokal hier nicht namentlich erwähnen. Aber ich werde mir künftig zweimal überlegen, ob ich dort noch einmal einkehre. Echte Barrierefreiheit beginnt nämlich nicht an der Automatiktür oder der Rampe, sondern im Kopf – mit Respekt, Empathie und der Einsicht, dass Menschen mit Assistenzhund ganz normale Gäste sind, die einfach nur willkommen sein möchten.

Nicole & Finchen Nicole & Finchen Alle Beiträge → Wir sind Nicole & Finchen. Nicole ist Autistin und #Inkluencerin von Herzen. Finchen ist ein Black-Tri Mini Aussie und geprüfte Assistenzhündin. Hier teilen wir unseren gemeinsamen Weg.
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