Assistenzhund

Fremde Frau fasst einfach meine Assistenzhündin an!

Mitten im Training wird meine Assistenzhündin trotz Kenndecke plötzlich von einer Fremden ungefragt gestreichelt. Wegen meiner Gesichtsblindheit brauche ich kurz zur Orientierung – bis eine unangenehme Alkoholfahne die Lage heikel macht.

Fremde Frau fasst einfach meine Assistenzhündin an!

Heute gab es beim Training mit Finchen wieder so einen Moment, der mir im ersten Augenblick echt den Atem verschlagen hat.

Wir waren gerade draussen unterwegs und haben eine konkrete Aufgabe geübt: Finchen sollte eine freie Sitzbank aufspüren und anzeigen. Sie trug dabei ihre Kenndecke, die eigentlich für jeden gut sichtbar signalisiert: Achtung, hier wird gearbeitet! Sie hat die Aufgabe super gemeistert, und ich wollte sie gerade ausgiebig dafür loben.

Genau in dieser Sekunde stand plötzlich eine fremde Frau vor uns – und kraulte Finchen ohne zu fragen direkt am Kopf.

In mir ratterte es sofort. Weil ich gesichtsblind bin (Prosopagnosie), brauche ich immer den gewohnten Kontext, um Menschen wiederzuerkennen. Triffst du mich nicht dort, wo wir uns normalerweise sehen, ist dein Gesicht für mein Gehirn wie gelöscht. Also dachte ich zuerst: Huch, kenne ich sie vielleicht? Ist das jemand von der Arbeit?

Aber nein – sie war mir völlig fremd.

Als mein Kopf die Lage sortiert hatte, bat ich sie direkt: „Bitte fassen Sie sie nicht an!“ Genau in dem Moment wehte mir allerdings ein starker Alkoholgeruch entgegen. Da wurde mir doch kurz mulmig, weil man in so einer Situation nie ganz einschätzen kann, wie jemand, der alkoholisiert ist, auf eine Grenze reagiert. Doch statt verärgert zu sein, schaute die Frau Finchen nur an und meinte: „Das ist doch bestimmt ein Polizeihund!“

Normalerweise erkläre ich total gerne und ruhig, was ein Assistenzhund eigentlich macht und warum sie gerade konzentriert bleiben muss. Aber in dem Augenblick zählte für mich nur der sichere Rückzug. Ich habe die Polizeihund-Theorie einfach abgenickt, tief durchgeatmet und bin mit Finchen zügig weitergegangen.

Ich verstehe total, dass man sich freut, wenn man einen tollen Hund sieht – Finchen ist schliesslich auch zum Verlieben. Trotzdem: Ein arbeitender Assistenzhund ist im Dienst, nicht auf Streichelkurs. Und ich? Ich bin einfach dankbar, dass die Situation nicht eskaliert ist.

Nicole & Finchen Nicole & Finchen Alle Beiträge → Wir sind Nicole & Finchen. Nicole ist Autistin und #Inkluencerin von Herzen. Finchen ist ein Black-Tri Mini Aussie und geprüfte Assistenzhündin. Hier teilen wir unseren gemeinsamen Weg.
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